Future Love: Am I in love with my robot?

Andrews größter Wunsch ist es mit Portia zusammen zu sein und diese heiraten zu dürfen. Allein das Recht hierfür muss Andrew sich hart erkämpfen, denn er ist ein Roboter. Er geht vor Gericht, wo er eindringlich erklärt, dass er Gefühle empfindet und im Herzen ein Mensch sei. So wie einige Menschen durch künstliche Prothesen zum Teil Roboter seien, so sei er eben zum Teil Mensch und verdiene es als solcher anerkannt zu werden, um Portia heiraten zu können.  

Wie diese Szene aus dem Film „Der 200 Jahre Mann“ von Columbus (1999), greifen auch andere Filme und Bücher ähnliche Visionen auf und zeichnen das Bild einer romantischen Liebe zwischen Mensch und Roboter nach. 21% der befragten Personen einer Umfrage im Rahmen des Projekts #KI150 aus 2019 können sich schon heute vorstellen, dass Liebe zwischen Mensch und Künstlicher Intelligenz (KI) zukünftig normal sein wird (Gesellschaft für Informatik 2019). Dass das Thema an Relevanz gewinnt, zeigt auch der seit 2014 jährlich stattfindende „International Congress on Love and Sex with Robots“, bei dem Wissenschaftler_innen kritisch diskutieren, ob realistische Beziehungen zu Robotern tatsächlich möglich und wünschenswert sind.

Liebesbeziehungen zwischen Mensch und Roboter heute

Erstmal jedoch stellt sich die Frage, wie eine Beziehung oder gar Liebe zwischen Mensch und Roboter aussehen kann. Konventionell wird in der Psychologie das Dreiecksmodell von Sternberg herangezogen, um den Begriff der Liebe zu fassen. Dabei spielen drei zentrale Aspekte eine wichtige Rolle: Leidenschaft (körperliche Anziehung, sexuelles Begehren), Intimität (Gefühl von emotionaler Nähe und Verbundenheit) und Verpflichtung (die Entscheidung, zusammen sein zu wollen). Abhängig von der Ausprägung dieser drei Faktoren ergeben sich unterschiedliche Beziehungsformen (vgl. Sternberg 1986). Inwiefern können Roboter aktuell diese Ansprüche erfüllen? Für Leidenschaft und Intimität seitens des Menschen spielt Technologie noch keine große Rolle. Jack beispielsweise ist eine reale Person, lebt mit seiner Puppe Maya zusammen und betrachtet dies als eine romantische Beziehung: „I said I think I’m in love with her because I miss her while I’m at work, and always look forward to coming home to her after a long day.” (vgl. Knafo 2015: 486f.). Der Aspekt Verpflichtung steht vor einer besonders großen Herausforderung, da hierfür nicht nur rudimentäre Interaktion notwendig ist, sondern auch intentionales Handeln auf beiden Seiten, was mit bisheriger Technologie noch nicht machbar ist. 

Es gibt bereits Menschen, die eine Beziehung zu (Roboter-)Puppen als eine Substitution für menschliche Beziehungen betrachten (Gilbert et al. 2018). Was hierfür notwendig erscheint, ist zunächst ein menschenähnliches Design. Das Unternehmen „Real Dolls“ widmet sich der Aufgabe möglichst menschenähnliche Sexroboter anzubieten, die mit den Menschen interagieren können. Diese Interaktionen beruhen aber noch zu einem großen Teil auf Zuschreibungen und Illusionen, wie die Psychologin Knafo in einem Interview hervorhebt:

„They live in this in-between place between fantasy and reality – the reality that the dolls are objects, and the fantasy that they are women who care about them and have personalities and have histories.“ (Flynn 2018) 

Auch Whitby behauptet, dass sich die derzeitige Technologie lediglich darum bemüht Liebe zu simulieren (vgl. Whitby 2011: 261). Zusammengefasst beruhen diese Beziehungen bisher auf Einseitigkeit.

Liebesbeziehungen zwischen Mensch und Roboter morgen

Fortschreitende Technologien können aber diese Grenze zwischen Illusionen, Zuschreibungen und Realität schrittweise verschieben und die Entwicklung von Puppen zu beziehungsfähigen Robotern ermöglichen. Der wissenschaftliche Diskurs unternimmt bereits Versuche diese Entwicklungen zu erfassen und kritisch zu hinterfragen. Es liegen diverse Meinungen vor, inwiefern eine Liebesbeziehung zwischen Mensch und Roboter möglich ist. Autoren wie Levy (2007) sind optimistisch eingestellt, es gibt aber auch Gegenstimmen, die die Herausforderungen an KI als zu hoch einschätzen, als dass in Zukunft eine wirkliche Liebesbeziehung zu Robotern überhaupt denkbar wäre. Diesen Meinungen liegen allerdings unterschiedliche Definitionen und Prämissen zugrunde.

Nyholm und Frank (2017) unternehmen den Versuch, Liebe und Beziehungen aus mehreren Perspektiven heraus zu definieren und erstellen eine „Jobbeschreibung“ für beziehungsfähige Roboter (vgl. Nyholm/Frank 2017: 226f.). Attribute, die ein Roboter demnach für eine Mensch-Roboter-Beziehung besitzen muss, umfassen die Fähigkeiten intentional zu handeln, Emotionen zu empfinden, und beziehungsorientierte Verpflichtungen einzugehen (ebd.: 227 ff.). Diese Attribute könnten zukünftig durch die Weiterentwicklung von KI realisiert werden. Mit der Zeit werden Roboter so programmiert, dass sie Menschen verstehen, sich unterhalten und Beziehungen aufbauen können. Die Roboter werden sich so entwickeln, dass sie emotional und kognitiv intelligent sind und Gedanken und Gefühle kommunizieren und erwidern können (vgl. Edirisinghe/Cheo 2017:139). Dadurch entsteht die Möglichkeit, eine Mensch-Roboter-Beziehung zu entwickeln, die nicht auf Befehlen und Handlungen, sondern auf emotionalen Bindungen beruht, da beide Parteien Emotionen teilen und erleben (vgl. Edirisinghe/Cheo 2017: 138). Außerdem wird bereits dahingehend geforscht, Roboter mit einem komplexen Hormonsystem auszustatten, welches dazu dient, Stimmungslagen von Menschen beispielsweise anhand von Mimik zu analysieren und daraus eigene Gefühlslagen herstellen und wiedergeben zu können (vgl. Lovotics 2020). In zwischenmenschlichen Beziehungen werden viele Informationen nonverbal über Mimik und Gestik vermittelt. Über das Design können Roboter auch diese Dinge simulieren, indem menschenähnliche Mimik und Gestik nachgeahmt werden. Das Design dient somit als eine Art Interface, wodurch es dem Roboter möglich wird, besser mit dem Menschen zu kommunizieren.

Betrachten wir die hier genannten Anforderungen an eine Liebesbeziehung, scheint es, als wären Roboter in der Lage diesen potenziell gerecht zu werden. KI, komplexe Hormonsysteme und ein interaktives menschenähnliches Design machen diese realisierbar. Aus zuvor einseitigen Beziehungen werden zunehmend wechselseitige Beziehungen.

Es ist schwierig Prognosen darüber zu stellen, ob und wie eine Beziehung zwischen Mensch und Roboter zukünftig gestaltet wird. Festzuhalten bleibt, dass bereits heute Ansätze verfolgt werden, um solche Beziehungen realisierbar zu machen und dass KI uns mit Herausforderungen konfrontiert, die einen interdisziplinären Diskurs erfordern. Sowohl Liebesbeziehungen als auch Robotik bilden ein komplexes Geflecht, das unser Verständnis von Liebe und Beziehung in einen neuen Aushandlungsprozess stellt. Einige Fragen sind dabei in ferner Zukunft zu adressieren: Wie könnte die Reproduktion von Mensch und Roboter aussehen? Könnten Roboter ihr Wissen als eine Form von Erbgut an den eigenen Nachwuchs weitergeben? Wollen und können wir Gleichberechtigung in einer Mensch-Roboter-Beziehung umsetzen? Wie verhindern wir sexuelle Übergriffe an Robotern? Sollen Robotern soziale Geschlechterrollen und biologische Merkmale künstlich eingeschrieben werden?

Es ist unabdingbar, dass parallel zum technischen Fortschritt ethische, rechtliche und soziale Implikationen behandelt werden, damit Herausforderungen vorzeitig identifiziert und bearbeitet werden können.

Literatur

Columbus, C. (1999): Der 200 Jahre Mann.

Edirisinghe, C.; Cheok, A. D. (2017): Robots and Intimacies: A Preliminary Study of Perceptions, and Intimacies with Robots. In: Cheok A., Devlin K., Levy D. (Hg.): Love and Sex with Robots. LSR 2016. Lecture Notes in Computer Science. Springer.

Flynn, S. (2018): The men in love with $7,000 sex dolls: Subculture of ‚iDollators‘ who marry and develop romances with inanimate partners after swearing off ‚flesh and blood‘ woman. In: Dailymail, 09.11.2018. Online verfügbar unter: https://www.dailymail.co.uk/news/article-6372217/Men-love-sex-dolls-Subculture-iDollators-revealed-new-documentary-Silicone-Soul.html [Zugriff: 27.06.2020].

Gesellschaft für Informatik (2019): Allensbach-Umfrage im Auftrag der Gesellschaft für Informatik e.V. #KI150. Online verfügbar unter: https://www.wissenschaftsjahr.de/2019/neues-aus-der-wissenschaft/dezember-2019/liebesbeziehungen-zwischen-menschen-und-maschinen/  [Zugriff: 28.06.2020].

Gilbert, M. (2018): Silicone Soul. Online verfügbar unter: https://www.siliconesoulmovie.com/ [Zugriff: 28.06.2020].

Knafo, D. (2015): Guys and Dolls: Relational Life in the Technological Era. In: Psychoanalytic Dialogues, The International Journal of Relational Perspectives 25(4). S. 481–502.

Levy, D. (2007): Love and Sex with Robots: The Evolution of Human-Robot Relationships. Harper Perennial: New York.

Nyholm, S.; Frank, L. (2017): From Sex Robots to Love Robots: Is Mutual Love with a Robot Possible? In: Danaher, J.; McArthur, N. (Hg.): Robot Sex: Social Implications and Ethical. Cambridge, MA: MIT Press (forthcoming). S. 219–242.

Samani, H. (2020): Lovotics. Online verfügbar unter: http://www.lovotics.com/ [Zugriff: 26.06.2020].

Sternberg, R. (1986): Triangular theory of love. In: Psychological Review, 93(2). S. 119–135.

Whitby, B. (2011): Do You Want a Robot Lover? In: Lin, P., Keith, A., Bekey, G.A. (Hg.): The Ethics of Caring Technologies. Robot Ethics: The Ethical and Social Implications of Robotics. Cambridge, MA: MIT Press. S. 233.

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