„Darum ist die Natur so groß, weil sie vergessen hat, dass sie Chaos war; und doch kann es ihr auch wieder einfallen, wenn es sein muss.“

Søren Kierkegaard (1813–1855)

Liebe Leser*innen,

wir leben heute in einer sogenannten VUCA Welt, die von zunehmender Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität gekennzeichnet ist. Klimawandel, Globalisierung, politische Konflikte und Überbevölkerung führen dazu, dass Mensch und Umwelt auf Grenzen stoßen, die vielleicht nicht zu überwinden sind. Im Zusammenspiel kann dabei schnell Chaos entstehen, beispielsweise bedingt durch plötzliche, nicht vorhergesehene Ereignisse, wie Naturkatastrophen, oder auch durch Krisensituationen, in denen Verantwortlichkeiten ungeklärt sind.

CHAOS im Begriff: Was meinen wir, wenn wir über „Chaos“ sprechen? Zum einen bedarf es einer Abgrenzung zu komplexen Kontexten oder Situationen, beispielsweise in verschiedenen Entscheidungssituationen (S. 9). Zum anderen können wir davon ausgehen, dass Chaos nicht gleich Chaos ist, da der Begriff in unterschiedlichen Kontexten und Disziplinen verwendet wird. So beschreiben beispielsweise die Begriffe Chaos im Altgriechischen bzw. Tohuwabohu im Althebräischen kein Durcheinander, sondern eine weite Leere – wie kann aber ein „Nichts“ chaotisch sein? (S. 12) Insbesondere, da wir in den Naturwissenschaften über dynamische, chaotische Systeme sprechen, in denen verschiedene Ausgangszustände zu unterschiedlichen Entwicklungen führen können: Wie reagiert ein System auf Störungen und inwieweit können wir dieses Verhalten überhaupt vorhersagen? (S. 14) Schlussendlich: Wäre es nicht viel einfacher, wenn wir eine Weltformel hätten, die alles erklären, vereinheitlichen und damit Ordnung in das Chaos bringen könnte? (S. 18)

CHAOS im Gefühl: Kierkegaard sieht die Natur als einen chaotischen Zustand, als etwas, das wie ein Damokles-Schwert über uns schwebt. So können uns Naturereignisse jederzeit unsere eigene Vergänglichkeit, aber auch Hilfslosigkeit vor Augen führen. Gleichzeitig versucht der Mensch, sich über die Natur zu erheben. Dieses gegenseitige Machtspiel zwischen Mensch und Natur findet sich auch in zahlreichen künstlerischen Verarbeitungen wieder (S. 24). Aber nicht nur in der Natur erleben wir Chaos und Unberechenbarkeit, sondern auch in unserem täglichen Empfinden. Dabei kann die Wahrnehmung von Chaos von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein (S. 28).

CHAOS in Aktion: Nicht nur unsere Wahrnehmung von Chaos prägt uns in unseren Entscheidungen und Handlungen, sondern auch physiologische Effekte: Als dynamisches und komplexes System macht unser Gehirn manchmal, was es will. Ist dieses aber tatsächlich chaotisch oder hat es nur den Anschein? (S. 32) Und wie äußert sich Chaos in unseren Zellen, beispielsweise, wenn eine Krebserkrankung vorliegt? (S. 36) Daneben zeigt sich auf der Arbeit, im Alltag und im Schauspiel, wie wir in chaotischen Umgebungen handeln (S. 40,44). Und wie reagieren wir auf eine chaotische Extremsituation, wie beispielsweise eine Flutkatastrophe? (S. 46)

Wir freuen uns darauf, uns gemeinsam mit Euch ins Chaos zu stürzen, diese und weitere Fragen sowie Problemstellungen mit euch teilen zu können und präsentieren euch nun die 12. philou. Durch den Fokus auf die Diversität und Interdisziplinarität der Themen wollen wir zeigen, dass das inneruniversitäre Gespräch eine der höchsten Prioritäten im Studium genießen muss. Wir wollen Euch hiermit Anreize zu neuen Perspektiven und Gedanken liefern und hoffen, dass Euch die 12. Ausgabe genauso gefällt wie uns!

Eure philou. Redaktion

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