Digitaler Müll – Nachhaltiges Cloud Computing?

3_CloudComputing Vor 40 Jahren wurde von der Business Week das Ziel für die Zukunft festgelegt: „Das papierlose Büro“. (Business Week 1975) Die Lösung für alles: Der PC!  Die Vorstellung, dass bald auf jedem Schreibtisch ein PC stehen würde und beinahe jeder ein Smartphone besitzt, schien damals noch undenkbar. Zweifelslos sind auch Tablets zum Beispiel für das Studium von großem Nutzen und dennoch müssen Unmengen an Papier wöchentlich in die Tonne gestopft werden. Hier wird die Diskrepanz deutlich.

1975 glaubte man noch, der PC würde alles vereinfachen und der Papierwahnsinn hätte ein Ende. Und dann noch die glorreiche Erfindung der E-Mail! Seit Beginn der 80er Jahre scheint die E-Mail die Lösung für alle Kommunikationsprobleme zu sein: zuverlässig, gratis, weltweit verfügbar und schnell. Das Leben konnte simpler und effizienter gestaltet werden.

Zwar erhält ein Angestellter in den USA täglich ca. 40 E-Mails, der United States Environmental Protection Agency zufolge verursacht ein durchschnittlicher Büroarbeiter aber täglich noch immer ca. 1 kg an Papier (US EPA 2013). Der Traum des papierlosen Büros scheint geplatzt zu sein. Aber was muss sich ändern, um einerseits die Umwelt durch den hohen Papierverbrauch weniger zu belasten und andererseits tägliche Zeit effizienter zu gestalten?

Eine Möglichkeit zur Reduktion des Papierverbrauchs von Büroangestellten könnte die Nutzung von Cloud Computing (s. Infobox) sein. Nutzten 2011 noch 28% deutscher Unternehmen Cloud Computing Dienste, waren es 2015 schon 54% (Statista 2011). Auch die private Nutzung von Cloud-Diensten steigt und die Breite der Anbieter wächst. „Google Docs“, „iTunes Musikbibliotheken“ und „GMX-Mail“ werden von vielen Menschen täglich genutzt und ein uneingeschränkter mobiler Zugriff auf Daten ist nahezu selbstverständlich geworden (Knop 2010). Es wird vom IDC (International Data Corporation: Herausgeber der  Digital Universe Studie im Auftrag von EMC, der führende amerikanische IT-Provider für Hardwarespeicher Lösungen/ Daten-BackUp) prognostiziert, dass 2020 etwa die Hälfte aller Daten in Clouds gespeichert oder verarbeitet werden (EMC 2011).

Heute werden ca. 58% aller Daten von Privatpersonen erzeugt, wovon für etwa 80% Unternehmen die Verantwortung tragen. Das liegt daran, dass im Laufe eines Lebenszyklus private Daten oft in Unternehmensnetzwerke gelangen, zum Beispiel durch die Nutzung von Cloud-Speichern.

Die Daten, welche in Clouds gespeichert sind, liegen in Rechenzentren auf Millionen von Servern. Die Rechenzentren wiederum hängen am Netz und erfordern so unbemerkt zwischen 1,1% und 1,5% (2010) der weltweit verbrauchten Energie. Allein ein Microsoft Rechenzentrum in den USA verbraucht 48 Megawattstunden pro Jahr, damit könnten 40.000 Haushalte versorgt werden. (Koomey 2011)     In Deutschland liegt der Stromverbrauch von Servern und Rechenzentren bei 1,8% des Gesamtstromverbrauchs von Deutschland. Dafür werden ca. vier mittelgroße Kohlekraftwerke benötigt. Außerdem stieg die Anzahl der großen Rechenzentren (mehr als 500 Server) in den letzten Jahren um 15%, wobei Mega-Rechenzentren, wie Google, Microsoft, Amazon oder Apple in Deutschland bislang nicht ansässig sind. (Hintemann et al. 2012)

Aber die Datenflut wächst weiter. 1,8 Zettabyte (entspricht 1,8*109 Terabyte) Daten werden pro Jahr erzeugt und kopiert, eine kaum vorstellbare Zahl. Diese Daten würden mehr als 200 Milliarden HD-Filmen mit einer Dauer von zwei Stunden entsprechen. Das hieße 47 Milliarden Jahre non-stop Filme schauen. Bis 2020 wird erwartet, dass sich die Zahl der Server weltweit in den letzten zehn Jahren versechsfacht und dass eine 50-fach größere Datenmenge bewältigt werden müsse. Das alles ist dadurch angetrieben, dass Kosten für Datenerzeugung, -erfassung und -speicherung stetig sinken und Investitionen von Unternehmen in Cloud-Dienste, Hard- und Software und IT-Mitarbeiter steigen. (EMC 2011)

In Westeuropa soll sich der Datenbestand alle 2,5 Jahre verdoppeln und bis 2020 auf 5 Zettabyte ansteigen (EMC 2011). Erstaunlicherweise stellen 90% dieser Daten unstrukturierte Daten dar, d.h. Daten, die beispielsweise nicht verschlagwortet sind nur ein Drittel dieser Daten entsprechen ansatzweise den geforderten Datenschutzbedingungen. Dies stellt neue Herausforderungen an Unternehmen zur Analyse, Suche und Erfassung vorliegender Daten. Dafür werden Lösungen zur Verarbeitung großer Datenmengen benötigt, welche jedoch den hohen Ansprüchen der westeuropäischen Datenschutzstandards gerecht werden müssen. Aber solche Lösungen, wie z.B. Big-Data-Analysen, erzeugen bei der Auswertung wiederum Metadaten, was noch mehr Daten bedeutet und uns somit noch tiefer in den Datenflut-Teufelskreis ziehen. (EMC 2011)

Ob die Datenflut nutzbar ist oder nicht, hängt davon ab, wie leicht die Unternehmen diese priorisieren, speichern und abrufen können. Daten sollten zentralisiert und ständig verfügbar sein, um Anfragen von mehr als vier Milliarden mobilen Geräten gerecht werden zu können. Denn das Verlangen nach mehr Speicherplatz ist kaum noch zu stillen. Datenmengen und Speicherkapazität sollten als Ressource gesehen werden, die genauso wertvoll ist wie Wasser, Öl oder Gold. Daten werden auch wie andere Güter gehandelt und verkauft. (EMC 2011) Des Weiteren bedarf es einer Reflexion darüber, dass auch Surfen im Internet oder Datenspeicherung Energie konsumieren und somit auch den CO2-Fußabdruck erhöhen. Auch wenn ein langsames Umdenken seitens der Internet-Giganten festzustellen ist und diese versprechen, ihre Rechenzentren mit Energie aus erneuerbaren Quellen zu versorgen (Knirsch et al. 2014), sollte dennoch jeder Mensch, Konsument, und „User“ reflektieren, welche Konsequenzen unser tägliches digitales Leben mit sich birgt; Energieverbrauch oder Datenmüll. Wir konsumieren Dinge auf eine Art und Weise, die unendliche Ressourcen voraussetzen, die weder die Natur noch der größte Server gewährleisten können.

Quellen

Business Week (1975): The Office Of The Future. In: Business Week 1975/2387. S. 48-70.

EMC (Hrsg.) (2011): Datenwachstum verdoppelt sich alle zwei Jahre. Online verfügbar unter: http://germany.emc.com/about/news/press/2011/20110628-01.htm; https://germany.emc.com/collateral/analyst-reports/idc-extracting-value-from-chaos-ar.pdf [Zugriff: 22.12.2016].

Hintemann, Ralph et al. (2012): Energieverbrauch und Energiekosten von Servern und Rechenzentren in Deutschland. Aktuelle Trends und Einsparpotenziale bis 2015. Berlin: Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit gemeinnützige GmbH.

Knirsch, Jürgen et al. (2014): Clicking Clean: Wie Unternehmen ein umweltfreundliches Internet erschaffen. Wien: Greenpeace.

Knop, Carsten (2010): Jetzt kommt die Cloud. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Online verfügbar unter: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/netzwirtschaft/datenspeicherung-jetzt-kommt-die-cloud-1230186.html [Zugriff: 21.12.2016].

Koomey, Jonathan (2011): Growth in Data center electricity use 2005 to 2010. In: Analytics Press. Online verfügbar unter: http://www.analyticspress.com/datacenters.html [Zugriff: 30.12.2016].

Statista (Hrsg.) (2011): Nutzung von Cloud Computing in Unternehmen in Deutschland in den Jahren 2011 bis 2015. In: Statista. Online verfügbar unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/177484/umfrage/einsatz-von-cloud-computing-in-deutschen-unternehmen-2011/ [Zugriff: 22.12.2016].

US EPA (Hrsg.) (2013): Wastes – Resource Conservation – Common Wastes & Materials – Paper Recycling. Online verfügbar unter: https://archive.epa.gov/wastes/conserve/materials/paper/web/html/faqs.html [Zugriff: 22.12.2016].

 

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