Peak Everything – Wenn uns die Ressourcen ausgehen

Mit der Globalisierung erwachte ein Verlangen nach Wachstum in nie gekanntem Ausmaß. Durch die fortschreitende Entwicklung in jedem Lebensbereich, sei es Technik, Forschung, Ressourcenausbeutung, Wirtschaft oder Wissenschaft, erscheint das endlose Wachstum greifbar. Richard Heinberg bezeichnet diesen Umbruch in der Geschichte der Menschen als „Fossil Fueled – Industrial Era“: Von Beginn an zielt der Mensch darauf hin, möglichst viel Energie zu gewinnen und möglichst wenig seiner eigenen Kraft zu verbrauchen. Angefangen mit der Erfindung von Werkzeugen und der Entdeckung von Feuer, kennzeichnet die Energiegewinnung aus fossilen Rohstoffen einen Wendepunkt in der Historie der Menschen. (vgl. o.N. 2011a)

In seinem Werk „Peak Everything – Waking Up to the Century of Declines“ (2007) prägt Richard Heinberg den Begriff des Peak Everything und beleuchtet, welche Risiken sich hinter dem gedankenlosen Ressourcenverbrauch verbergen. Peak Everything beschreibt eine in Zukunft eintretende Situation, in der der Menschheit schrittweise die Ressourcen ausgehen, die sie braucht, um dem derzeitige globalen Wachstum gerecht werden zu können:

„In titling this book peak everything, I was suggesting that humanity has achieved an unsustainable pinnacle of population size and consumption rates, and that the road ahead will be mostly downhill – at least for the next few decades, until humanity has learned to live within Earth’s resource limits.” (Heinberg 2010: 5)

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Ressourcen wie Öl, Phosphor oder seltene Erden sind nicht endlos verfügbar (vgl. Heinberg 2010: 4). Es ist wichtig zu verstehen, dass wir nicht ans Ende der Förderung aller Ressourcen gelangt sind. Vielmehr übersteigen in Zukunft Gefahr und Kosten den möglichen Profit jeglicher Ausbeutung von Substanzen, die für unsere moderne Lebenswelt unabdingbar sind (vgl. o.N. 2011b). Um das Problem zu veranschaulichen, wird in der Wissenschaft die oben abgebildete Pyramide herangezogen: Grundlegend sind Reserven von Ressourcen zu unterscheiden. Der Begriff der Reserve bezeichnet Rohstoffe, die mit mehr Gewinn als Verlust gefördert werden können. Der Begriff der Ressource hingegen bezeichnet Rohstoffe, deren Förderung so aufwendig und kostenintensiv wird, dass sie nicht mehr rentabel ist (vgl. Heinberg 2010: 22; o.N. 2011b).

Der Peak Oil ist in der öffentlichen Wahrnehmung der präsenteste und kann -isoliert betrachtet- im Kontext alternativer Energieproduktion als bewältigt angesehen werden. Beispiele hierfür sind die verstärkte Nutzung von Atom-, Kohle-, Windkraft und Sonnenenergie. Allerdings wird dabei nicht berücksichtigt, dass die Grenze der rentablen Ausbeutung bei jeder endlichen Ressource ein Problem darstellt und somit Peaks bei anderen Substanzen wie Uran, Phosphor, Kohle, seltenen Erden, Trinkwasser und Ackerboden entstehen. (vgl. o.N. 2011b)

Während es bereits Lösungsansätze zum Peak Oil gibt, stehen Wissenschaftler vor dem ungelösten Problem des Peak Phosphor. Ohne Phosphor, der primär als Düngemittel eingesetzt wird, wäre jegliches Ackerland bereits unfruchtbar.

Bei einer immer weiter steigenden Population ist es schlicht unmöglich, der Nahrungsnachfrage gerecht zu werden (vgl. Dyer 2015). Ungeachtet dessen ist ein Peak Soil und damit der Peak Food nicht mehr so weit entfernt, als dass diese Aspekte außen vorgelassen werden könnten. Jeder Lösungsansatz ist derzeit zu kostspielig und würde die Nahrungsmittelindustrie in eine tiefe Krise führen, da Nahrungsmittel praktisch unbezahlbar wären (vgl. Heinberg 2010: 48).

Anders ist es bei dem Rohstoff Eisen, der von einem Peak noch relativ weit entfernt ist. Jedoch benötigt dessen komplizierter werdende Förderung dringend Erdöle, was eine weitere Erhöhung der Peaks bedeutet. Seltene Erden (z.B. Scandium) und andere Rohstoffe (wie z.B. Indium, Graphit und Magnesium) benötigen zur Förderung enorm viel Energie und bereiten der Weltwirtschaft schon jetzt erhebliche Probleme. Länder, wie beispielsweise China (vgl. o.N. 2011b) mit Vorräten an seltenen Ressourcen haben den Export eingeschränkt, obschon diese in zahlreichen Produkten vorhanden sind (vgl. Chorherr 2009).

In einer Gesellschaft, die sich in solch einem Ausmaß von endlichen Ressourcen abhängig gemacht hat, können die Folgen der einzelnen Peaks drastisch sein (vgl. o.N. 2011a). Schon heute wird in zahlreichen Ländern um Trinkwasser gekämpft. Man male sich aus, wie ein globaler Kampf um sich zum Ende neigende Ressourcen verlaufen könnte!

Es wird deutlich, dass knapp werdende Ressourcen nicht nur das Wirtschaftssystem zusammenbrechen lassen, sondern der Alltag eines jeden maßgeblich einschränken werden, da unser aller Leben von sämtlichen Ressourcen abhängig ist  (vgl. Heinberg 2010: 7-8; o.N. 2011a; o.N. 2011b). Zukünftige Generationen werden sich zurecht fragen, wieso trotz des Wissens um die schwerwiegenden Folgen nichts unternommen wurde. Dabei ist doch ersichtlich, dass das Wirtschaftssystem, in dem wir leben, nicht unendlich weiterwachsen wird. Führt man sich vor Augen, dass endliche Rohstoffe immer knapper werden, während die Nachfrage nach Produkten immer weiter steigt, offenbart sich das Paradoxon sofort.


Quellen:

Dyer, Gwynne (2015): Forget Peak Oil, We’ve reached Peak Everything. http://www.straight.com/news/818136/gwynne-dyer-forget-peak-oil-weve-reached-peak-everything Zuletzt geprüft am: 19.04.2016

Chorherr, Christoph (2009): Von Peak Oil zu Peak Everything. http://www.zukunft-ennstal.at/peak_everything.php Zuletzt geprüft am: 19.04.2016; o.N. (2011): Peak Everything – Uns geht der Stoff aus. https://www.sein.de/peak-everything-uns-geht-der-stoff-aus/ Zuletzt geprüft am: 19.04.2016

o.N. (2011a): Peak Everything – Alles hat ein Ende… http://www.fuereinebesserewelt.info/video-peak-everything-alles-hat-ein-ende/ Zuletzt geprüft am: 19.04.2016

o.N. (2011b): Peak Everything – Uns geht der Stoff aus. https://www.sein.de/peak-everything-uns-geht-der-stoff-aus/ Zuletzt geprüft am: 19.04.2016

o.N. (2013): http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article114678603/Der-brutale-Wettlauf-um-die-Trinkwasserquellen.html Zuletzt geprüft am: 19.04.2016

Heinberg, Richard (2010): Peak Everything – Waking Up to the Century of Declines. New Society Publishers, Canada.

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