[Januskopf] Thinking the Future?!

Januskopf

„Thinking the Future? Zwischen Wachstum und Nachhaltigkeit“… Klar schreien derzeit quer durch die Gesellschaft Millionen von Menschen nach Nachhaltigkeit und dem Ende des bösen Wachstumsimperativs – die Realität unserer Wirtschaftsordnung sieht aber nun einmal anders aus!

Wirtschaftliches Wachstum war, ist und wird immer ein entscheidender Faktor für gesellschaftlichen Wohlstand und Fortschritt bleiben: Bei konstant gleichbleibender volkswirtschaftlicher Produktion, muss diese im weltweit mehr als zutreffenden Falle von Bevölkerungswachstum auf eine größere Anzahl von Personen verteilt werden. Ein stabiles pro-Kopf-BSP oder -BIP bei stetigem Bevölkerungswachstum setzt daher zur Aufrechterhaltung des bisherigen Lebensstandards wirtschaftliches Wachstum voraus. Ohne Wachstum bleiben unsere Kapital- und Produktionsressourcen ungenutzt, was zu Arbeitslosigkeit, geringeren Staatseinnahmen und entsprechend geringeren Staatsausgaben führt. Niedrigere staatliche Ausgaben für Infrastruktur, Bildung und Soziales verursachen wiederum eine Einschränkung der wirtschaftlichen Nachfrage, sodass sich schließlich eine verheerende Abwärtsspirale in Gang setzt, die die gesamtwirtschaftliche Aktivität auf ein immer geringeres Niveau fallen lässt. Was bringt nachhaltiges Wirtschaften ohne Wachstum, wenn wir uns dadurch unseres eigenen materiellen Wohlstands und allen weiteren damit einhergehenden technologischen, sozialen und kulturellen Errungenschaften berauben?

Es hilft weder uns noch den ärmeren Regionen dieser Welt, wenn wir uns zurück in vorindustrielle Verhältnisse runterwirtschaften.

Mehr Wachstum bedeutet mehr materiellen Wohlstand, der verteilt werden kann und den vor allem Entwicklungsländer nach wie vor brauchen!

Darüber hinaus stellt Wirtschaftswachstum einen wichtigen Motor für technischen Fortschritt dar: Technische Innovationen sind Voraussetzung für steigende Produktionsmöglichkeiten bei gleichbleibend beschränkten Ressourcen. Mit weiteren Innovationen werden letztendlich auch nachhaltigere Lösungen kommen. Ohne die zahlreichen technischen Innovationen, vor allem die des letzten Jahrhunderts, wären wir außerdem nie in der Lage gewesen, die stetig steigende Weltbevölkerung zu ernähren – moderne Trawlerflotten holen mittlerweile das Hundertfache der über Jahrhunderte hinweg üblichen Fischmenge ein. Doch die durch den technologischen Fortschritt ermöglichte zunehmende Rationalisierung, Automatisierung und Substitution der menschlichen Arbeit führt auch zur stetigen Freisetzung von Arbeitskräften. Und auch hier bleibt Wachstum die Lösung: Wirtschaftswachstum, im Sinne der Entstehung neuer Produkte und Sektoren, ermöglicht die Weiterbeschäftigung von solch freigesetzten Arbeitskräften.

Neben den oft unbedacht wirkenden Schreien nach Nachhaltigkeit, dürfen wir auf keinen Fall die harte, wirtschaftliche Realität vergessen. Wir alle wollen Arbeit und Wohlstand. Wenn die Weltbevölkerung wächst, muss die Wirtschaft mitwachsen, um uns diese Arbeit und diesen Wohlstand geben zu können. Dafür müssen wir unseren Wirtschaftsmotor am Laufen halten, indem wir ihn weiter mit Rohstoffen und Anreizen füttern: Der Markt gibt, der Markt nimmt. Wir brauchen Wirtschaftswachstum – es ist alternativlos. Ob wir es wollen oder nicht: Der Markt diktiert.


„Thinking the Future?  Zwischen Wachstum und Nachhaltigkeit“… Um konstruktiv über unsere Zukunft reden zu können, müssen wir verdammt nochmal nachhaltig denken! Ich meine: Die stetige Klimaerwärmung und das Schmelzen der Polarkappen, die immer weiter schwindenden fossilen Rohstoffe und das sture Beharren auf jenen, der munter sämtlichen Wohlstand akkumulierende Raubtierkapitalismus und die dadurch stetig auseinanderdriftende Kluft zwischen Arm und Reich – reicht das nicht? Das alles und trotzdem scheint ein Großteil unserer Gesellschaft nach wie vor am wirtschaftlichen Wachstumsimperativ festhalten zu wollen. Was zur Hölle soll das?!

Wirtschaftswachstum mag zwar in mancherlei Hinsicht ein wichtiger Motor für steigenden Wohlstand und Fortschritt gewesen sein, doch bedeutet der weiterbestehende blinde Glaube an grenzenloses Wachstum in einer Welt mit endlichen Ressourcen zukünftig nicht grenzenlosen Fortschritt und Wohlstand, sondern ganz im Gegenteil: Es bedeutet nichts Geringeres als unseren langfristig nicht zu vermeidenden Niedergang. Ob nun Klimakatastrophen oder durch untragbar gewordene, soziale Ungleichheiten befeuerte zivile Unruhen unsere bisherige Ordnung erschüttern werden, sei dahingestellt, aber klar ist: Unsere ökologischen und sozialen Probleme werden nicht weniger, wenn wir nicht bald umdenken und lernen, nachhaltig zu wirtschaften! Die Belastungsgrenze unserer Umwelt ist schon lange bei Weitem überschritten und trotzdem verschlingen, verbrennen und verschwenden wir weiterhin Unmengen von immer knapper werdenden und ohnehin schon begrenzten Ressourcen.

Der unstillbare Hunger unserer kapitalistischen Wirtschaftsordnung nach mehr Wachstum ist nichts weiter als eine hohle Ideologie, die der Totengräber für den Fortschritt und Wohlstand sein wird, den sie zu erreichen und zu wahren sucht. Die neoliberalen Wachstumsstrategien der vergangenen Jahrzehnte waren auf kurzfristigen Profit ausgelegt, haben aber bereits genug langfristigen Schaden angerichtet und zahlreiche, mehr als bedenkliche Strukturen verfestigt, die unsere Existenz in ihrer heutigen Form gefährden. Und warum? Weil die Wirtschaft immer mehr zum bloßen Selbstzweck verkommt – eine gigantische Maschinerie, die für den maßlosen Profit der Wenigen arbeitet, auf Kosten der restlichen Gesellschaft und der Umwelt. Was bringt steigender materieller Wohlstand, wenn er sich in völlig überzogenem Maß auf einige Wenige verteilt? Die Wirtschaft sollte als gesellschaftliche Institution ein Werkzeug sein, welches angesichts begrenzter Ressourcen für die Befriedigung der Bedürfnisse aller Menschen arbeiten sollte. Doch immer mehr verschiebt sich die Logik dieses Systems in eine groteske Richtung. Zum Zwecke des kurzfristigen Profits werden der Mensch und seine Umwelt entbehrlich und überflüssig für eine „funktionierende“ Wirtschaft. Sie sind nichts weiter als ersetzbare Faktoren einer eindimensionalen Kosten-Nutzen-Rechnung.

Wir arbeiten nicht mehr, um leben zu können, sondern leben, um zu arbeiten.

Und das nicht mal mehr für uns selbst, sondern für die Knochenmühle des Wachstums- und Profitmaximierungswahns.

Aber was interessiert es euch, die ihr von diesem System profitiert? Ist doch egal! Hauptsache Milliardensummen auf euren Konten – nach euch die Sintflut! Und was gibt es schon am täglichen saftigen Steak auszusetzen? Nichts! Nach euch die Sintflut! Vormittags im Büro zur Profitmaximierung die letzten Ressourcen aus der ausgelaugten Umwelt pressen und nachmittags den eigenen Kindern ins Gesicht lügen, dass man ihnen nur das Beste für die Zukunft wünscht? Egal… Nach euch die Sintflut.

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