Re:publica – für mehr digitale Liebe!

Die Re:publica – das ist das Klassentreffen der Netzavantgarde, der Kreativen und Medienmacher. In diesem Jahr kamen am Berliner Gleisdreieck 700 Redner_innen und über 8000 Zuhörer_innen zusammen, um über Möglichkeiten, Chancen und Probleme der Digitalisierung nachzudenken. Wir konnten für die philou. vor Ort sein.

Auf den Bildschirmen und Plakaten schimmert es freundlich von blau über rosa bis gelb, darüber in weißen Lettern: LOVE OUT LOUD. Die Re:publica in Berlin will dieses Jahr die Liebe zurück ins Netz holen. Dabei ist das keinesfalls so leichtfüßig und wolkig gemeint, wie es sich zunächst anhört. Denn die Macher treten an gegen Hatespeech und Trolle, treten ein für Zivilcourage und die Rehabilitierung der Vision der vernetzten Welt.

Das Motto zieht sich durch unzählige Panels und Vorträge. Markus Beckedahl fordert „digitale Zivilcourage“ und auch Carolin Emcke postuliert: „Wer gedemütigt und verletzt wird, wer verachtet und angegriffen wird, soll sich nicht selbst wehren müssen. Es braucht andere, die einstehen für die Würde jeder einzelnen Person, es braucht andere, die widersprechen. Die, die nicht gemeint sind, die sich aber gemeint fühlen.“

Ganz großes Thema – weil brandaktuell – sind Fake-News. Journalist_innen, Aktivist_innen und Expert_innen fragen sich, was da überhaupt schief gelaufen ist mit der Glaubwürdigkeit. Und: Was sind überhaupt Fake-News und von wem werden sie verbreitet? Wie kann man auf Fake-News reagieren? Was macht qualitativen, hochwertigen Journalismus aus? Es gibt unterschiedliche und sehr gute, manchmal auch kurzgreifende Ansätze. Man ist sich allerdings darüber einig, dass es mit Faktenchecks nicht getan ist.

Da ist es natürlich hochnotpeinlich, dass ausgerechnet bei dieser Konferenz und ausgerechnet vom Deutschlandfunk ein Fehler in der Berichterstattung passiert, als die Bundesministerin für Arbeit und Soziales Andrea Nahles zum Bedingungslosen Grundeinkommen referiert. Ihre Aussage wird sinngemäß ins Gegenteil verkehrt. Trotzdem: Von der Tagung bleibt die Ernsthaftigkeit und Sorge, mit der dieser Fehler korrigiert wird. Die Verantwortung journalistischer Arbeit wird in Zeiten von Fake-News und Manipulationsvorwürfen präsent.

Die Re: publica war so vielseitig, umfangreich und parallel, man hätte sie drei Mal nacheinander besuchen können. Digital kann man das: Im Livestream und in Einzelvideos sind nahezu alle Vorträge verfügbar. Die Tagung bewegt sich zwischen eigener selbstreferentieller Filterblase (der man sich aber durchaus bewusst ist) und Abenteuerspielplatz der Querdenker, jedoch: Der Anspruch, nach außen durchzudringen, sich mitzuteilen, für Visionen einzutreten, ist da. Dem großen Wandel, der sich durch die Digitalisierung und Vernetzung ergibt, wird in dem Maße keine andere Veranstaltung in Deutschland so öffentlichkeitswirksam gerecht.


Carolin Emckes Rede und viele weitere findet ihr hier.

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