Sehnsucht nach Wirklichkeit

  Mit welchem Schlagwort werden zukünftige Generationen unsere Gegenwart verbinden? Ein möglicher Kandidat findet sich im Begriff der „Krise“: Weltwirtschaftskrise, Flüchtlingskrise, Ukraine-Krise, Eurokrise, Umweltkrise. Wirft man einen Blick auf die intellektuellen Debatten der letzten Jahre und Jahrzehnte trifft man auf eine weitere, in der Öffentlichkeit aber selten thematisierte Krise: die Krise des Wirklichkeitsbezugs (vgl. Baecker […]

Umfrage als Wissenquelle

Umfragen als Wissensquelle? – Eine systemtheoretische Problemskizze

Spätestens seit dem Brexit und der letztjährigen US-amerikanischen Präsidentschaftswahl ist die Prognosefähigkeit von Umfragen zu einem öffentlichen Thema geworden. Im Vorlauf der vergangenen Bundestagswahl mehrten sich in deutschen Medien zudem die Debatten über mögliche demokratiegefährdende Effekte demoskopischer Erhebungen. Diese Bedenken sind jedoch keineswegs neu, sondern werden bereits seit den 60er-Jahren geäußert (vgl. Donovitz 1999: 15). […]

Irrungen und Wirrungen ‑ Thinking fast and slow

Menschen irren. Systematische Fehler und falsche Annahmen prägen Entscheidungen, das alltägliche Leben und zwischenmenschliche Beziehungen. Auch hinsichtlich des Umgangs mit Risiken bedarf es einer kritischen Reflexion darüber, inwieweit der Mensch sich in die Irre führen lässt ‑ durch eigene kognitive Verzerrungen oder durch externe Manipulation. In der Psychologie wird das menschliche Denken in zwei Systemen […]

Zwischen Wissen und Fühlen ‑ Wie ein Mahnmal die Erinnerung prägt

  Berlin kommuniziert Geschichte wie kaum eine andere Stadt in Europa. Orte der Erinnerung, wie Museen und Denkmale, geben der Vergangenheit eine physische Existenz und bieten Raum zur Reflexion. Sie aktualisieren das Geschichtsbewusstsein, während Mahnmalen zusätzlich eine besondere Bedeutung in der Aufarbeitung der Geschichte zukommt. Das „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ ist heute einer […]

Ist das Sprache oder kann das weg?

Steuerzahler, Steuer, Steueroase, Steuerflucht, Steuerschlupfloch, Steuerlast, Umverteilung, Leistungsträger, soziales Netz, Arbeitgeber, Schwangerschaftsabbruch, Islamophobie, Flüchtlingsstrom, erneuerbare Energien. Mit diesen und zahlreichen weiteren Begriffen werden wir täglich konfrontiert – in der Zeitung, in den sozialen Medien oder im Radio. Sprache kann man als eine Kunstfertigkeit betrachten: Mit ihr geben wir dem, was wir sehen, einen Namen; sie […]

Unser täglich a priori – Macht, Reflexivität und der Umgang mit Wissen

  Scientia est potenta ‑ Wissen ist Macht. Der beliebte Aphorismus des englischen Philosophen Francis Bacon bildet eine Redensart, die in der Neueren Geschichte eine historisch bislang konventionelle Nutzung erfahren hat. So suggeriert der Ausdruck, dass Erkenntnis die Verfügbarkeit und damit Anwendung von Einfluss ermöglicht: Gesellschaftliches Wissen und Machtverhältnisse bedingen sich demnach gegenseitig. Getragen wird […]

Learning by clubbing – Neurophysiologische Grundlagen des Lernprozesses

  Wir alle lernen. Jeden Tag und überall: In Bibliotheken, Hörsälen, Laboren, im Bett oder fünf Minuten vor der nächsten Klausur: Aber wie funktioniert das eigentlich? Lernprozesse finden im Gehirn statt. Dieses besteht aus Nerven, die über Synapsen miteinander in Verbindung stehen. Um etwas über die Informationsaufnahme und Speicherung zu erfahren, müssen wir uns also […]

Leb‘ langsam – Jetzt erst recht! Entschleunigung als Gegentrend?​

  Eine Auszeit nehmen, kurz durchatmen, Slow Life. Diese und viele weitere Ausdrücke deuten darauf hin, dass die Entschleunigung bereits tief im Wortschatz unserer Sprache verankert ist. Und da Sprache bekanntlich einen wesentlichen Teil der Kultur ausmacht, erscheint es sinnvoll, das Phänomen der Entschleunigung genauer zu betrachten und auf Gründe für die Entstehung dieser Bewegung […]